Irish Potato Famine – Isle of Blight – Extra History – #1

Irish Potato Famine – Isle of Blight – Extra History – #1



Das Erste, was der Bauer bemerkt, ist der Geruch. Eine erdige Fäulnis in den Feldern. Der Ire geht auf sein Kartoffelfeld, und sieht wie die Pflanzen eine braune Farbe angenommen haben und verwelken. Er gräbt eine Knolle aus, sie ist schleimig, wie ein Seifenstück. Als er sie aufschneidet, sickert brauner Schleim heraus. Die ganze Ernte genau so. Es wird ein hungriges Jahr werden, aber er wird überleben. Denn das hier ist nicht Irland im Hungerjahr 1845; Sondern die Vereinigte Staaten zwei Jahre früher, und dieser Mann weiß nichts davon, wie diese Fäule sein Geburtsland verwüsten wird. Die Große Hungersnot in Irland gehört zu einem der schlimmsten landwirtschaftlichen Unglücke Europas. Ein Ereignis, das so bedeutungsschwer war, dass es sich nicht nur eine ganze Generation prägte, sondern auch ein Volk in den Wind vertrieb. Als die Fäule in 1845 ankam, hatte Irland eine Bevölkerung von 8,2 Millionen. Doch innerhalb eines Jahrhunderts war ein Drittel davon fort. Etwa 1,1 Millionen starben an Hunger und Krankheit, während 2 Millionen auswanderten. Weißt du was, streich das! Auswandern ist nicht das richtige Wort: Es war eine Flucht, ganz Eindeutig; eine Evakuierung. Im Höhepunkt der Hungerjahre, als die Münder von Kindern grün gefärbt waren durch das Gras welches sie aßen, und Hunde Friedhöfe plünderten, gab es Schlägereien auf den Docks um Platz auf überfüllten Schiffen zu erlangen. Den Meisten war es egal, wohin der Schiff ging, solange es nicht Irland war. Doch Irland war nicht das einzige Land (und auch nicht das erste) welches von der Fäule getroffen wurde. Der verantwortliche Pilz trat zuerst in den Vereinigten Staaten in 1843 auf, und wurde in Frachträumen nach Europa eingeschleppt. Bauern, die versuchten die Europäische Kartoffelzucht zu stärken könnten sie sogar versehentlich importiert haben, als sie versuchten, ihre Kartoffeln mit den Amerikanischen zu kreuzen. Und verstärkt durch den regnerischen Sommer, und verteilt durch den Wind, konnte der Pilz den Kontinent erstürmen. Während des Sommers 1845 füllten Nachrichten der Fäulnis Europäische Zeitungen. Belgien hatte 87% ihrer Kartoffelernte verloren, Flanders 92%, Holland verlor 70%. Deutschland und Frankreich hatte es weniger schwer getroffen, nur 1/5 der Ernte war verloren. Gerüchte von Hungersnot kamen aus Russland und Polen, während Englische Bauern ähnliche Zerstörung erlitten. Regierungen bereiteten sich auf Zeit von Hunger und Instabilität vor. Denn die Kartoffel war die Hauptkost der entstehenden industriellen Arbeiterklasse Europas. Diese Wunderpflanze, aus Peru importiert, konnte zwei bis vier mal so viel Kalorien pro Morgen produzieren wie Getreide. Da sie billig und einfach zuzubereiten war, konnte Europas schurmpfender agrikultureller Sektor weiterhin die explodierende Arbeiterklasse ernähren. Und zwischen 1750 und 1850 hatte sich die Bevölkerung Europas beinahe verdoppelt, zum Teil dank der Kartoffel. Jegliche Bedrohung der Kartoffelpflanze war ein ernstes Problem. Sogar die Welle der Revolutionen welche Europa 1848 erschütterte wurden teils durch diese Missernten verursacht. Doch hier trennt sich die Geschichte Irlands, denn während all diese Länder ökonomische Notzustände und sozialen Umschwung erfuhren, hungerte Irland allein. Die Gründe dafür sind kompliziert, doch man kann sie zu zwei Faktoren zusammenfassen: Der erste ist dass Grundsystem welches Irland einzigartig anfällig für Missernten machte, und der zweite Faktor war menschlich. Eine Gruppe von Britischen Führungspersonen, aus London herrschend, sahen die Hungersnothilfe als ein Weg zur Reformierung der Irischen Wirtschaft, und zum Belehren des "moralischen Charakters" des Volkes. Durch die Krise werden Britische Entscheidungsträger die wirtschaftliche Reform ihr Primärziel machen, wobei das Retten von Leben ein entferntes, nebensächliches Ziel wurde. "Die Fäulnis ist in der Tat," wie Britische Politiker argumentierten, "Gottes Werk: unaufhaltsam und unumgehbar." Die Hungersnot dahingegen war das Werk von Menschen. Doch dies steht noch in der Zukunft. Im sommer 1845, verfolgte der Britische Premierminister Sir Robert Peel Berichte über die Fäulnis. Er war besorgt dass diese bald England treffen könnte natürlich, doch er wusste dass wenn sie in Irland ankam, würden die Auswirkungen verheerend sein. Technisch gesehen war Irland ein Teil des Vereinigten Königreiches von England und Irland sein 1801. Doch praktisch war Irland der erste Schritt zur britischen Kolonialmacht. Die Engländer hatten es seit Jahrhunderten direkt oder indirekt regiert. Zu dieser Zeit hatte die Britische Krone nach und nach einheimische irische Katholiken enteignet, ihr Land konfisziert, und es an englische und schottische Protestanten gegeben, welche als verlässlicher und loyaler galten. Alles während katholische Länder Aufstände gegen die protestantischen Engländer finanzierten. Und Spannungen nahmen zu. Der Höhepunkt wurde erreicht als Oliver Cromwell Irland nach einer Rebellion zurückeroberte, den Prozess der Landenteignung vollendete, und Irische Landbesitzer vollständig durch Engländer und Schotten erstzt wurden, den sogenannten "Angeliren", und es war blutig. Zurückhaltende Schätzungen behaupten, dass Cormwells Invasion, zusammen mit der resultierenden Hungersnot, etwa 10% der Irischen Bevolkerung getötet haben könnte. Um einen weiteren Aufstand zu vermeiden, erteilte Cromwell, und später die britischen Regierungen, eine Reihe von Strafgesetzen, welche die Rechte von Katholiken einschränkten. Katholiken durften kein öffentliches Amt belegen, Schusswaffen besitzen, oder als Anwalt zugelassen werden. Sie durften kein Pferd mit Wert über fünf Pfund besitzen, wählen, in der Schule unterrichten, oder einen Protestanten heiraten. Es gab Einschränkungen darauf wie sie Land besitzen durften, und wie sie Land an Kinder vermachen durften; sie konnten es nicht im Ganzen an den Ältesten vermachen, sondern mussten es an alle Kinder in gleichen Stücken aufteilen. Kirchen durften nicht aus Stein gebaut werden, und mussten sich weit weg von Straßen befinden, und sie konnten nicht auf eine Universität gehen, weder daheim noch im Ausland. Und 80% der irischen Bevolkerung war katholisch. Diese Gesetze waren dafür geschaffen, irischen Katholiken jede Form des politischen und wirtschaftlichen Fortschritts zu verwehren, und trotz dass sie mit der Zeit wieder aufgehoben wurden (das letzte verschwand 1829), würde es für die Iren Generationen dauern sich wirtschaftlich zu erholen. Dazu kam noch, dass die Grundbesitzer astronomische Pachten auf das Land verlangten, wodurch die einheimischen irischen Bauern kaum etwas zum Überleben hatten. Und das Ganze fand statt in einem System aus Mittelsmännern, das so verschachtelt war, dass… Okay. Okay. Hier ist eine Analogie. Stell dir vor, jemand besitzt ein Mietshaus heutzutage: Das ist der Grundbesitzer. Dieser will es nicht verwalten, also gibt er die Verwaltung an einen Mittelsmann weiter. Dieser Mittelsmann will nun Profit machen, und weiß dass es viel Nachfrage gibt, also dreht er die Mietspreise hoch, und um noch mehr Profit zu machen, unterteilt er die großen Mietswohnungen zu kleineren auf. Die Mieter, unter Druck die exorbitanten Mieten bezahlen zu können, schaffen sich deswegen Mitbewohner an oder vermieten ihre Schlafzimmer auf AirBnB, was die Mietswohnungen noch weiter fragmentiert. Wow, das kommt mir bekannt vor… Oh, hey New York City, hab euch gar nicht in dieser Analogie gesehen! (räusper) Jedenfalls, das ist im Grunde was bei den irischen Bauern passiert ist. Zum Teil haben diese Grundbesitzer (auch als abwesende Vermieter genannt) seit Generationen nicht mehr in Irland gelebt. Dieser Trend war schlecht, doch Ereignisse machten ihn noch schlimmer Während der Napoleonischen Kriege wurden irische Güter plötzlich zu einem wichtigem Teil britischer Importe, da der Krieg Zulieferer in Frankreich abschnitt. Die Situation der Iren verbesserte sich, da viele Arbeit in der Industrie fanden. Doch dann wurde Napoleon geschlagen, französische Güter kehrten zurück, und der aufkeimende Industriesektor brach zusammen. Arbetislose Weber und Geschäftsleute überschwemmten die ländlichen Gebiete, nahmen an skurrilen Bieterkriegen um kleine Parzellen Ackerland teil, und versprachen Mieten zu zahlen welche das Land selber nie tragen könnte. Irische Bauern begannen damit, Land zu bestellen, welches nie zuvor beackert war: steinige Hügel, Strände, und Sümpfe. Das Land, unterteilt durch die Erbschaftsgesetze und die Gier der Grundbesitzer, wurde weiter unterteilt, und die Mittelsmänner der Grundbesitzer, welche immer enttäuschter mit den Erträgen der Kartoffelbauern wurden, ließen ganze Dörfer zwangsräumen um ihr Land für die Viehzucht zu nutzen, was die Bauern noch weiter in Bedrängnis brachte. Um 1841 waren 41% der agrikulturellen Grundbesitze unter 5 Morgen groß, eine Konsequenz der Bevölkerungsexplosion, zusammen mit dem Grundsystem welches auf einer Kette von Vermietern beruhte, (häufig drei oder vier Ebenen tief) die nach England zurückführte. Nur durch eine Sache konnten Menschen überleben: du hast es erfasst, die Kartoffel! Ein einziger Morgen Land mit Kartoffelpflanzen konnte sechs Tonnen Ernte pro Jahr produzieren, genug um eine sechsköpfige Familie zu ernähren. Keine andere Pflanze konnte eine solche Ernte bieten. Doch viele irische Familien waren größer als das, und die Miete musste ja auch noch bezahlt werden. In den Jahrzehnten vor der Hungersnot baten die schrumpfenden Stücke Land nicht mehr als ein Existenzminimum. Irland war bereits eins der ärmsten Länder Europas. Vor den Unterteilungen hatten die meisten Familien noch eine Kuh. Doch in den Jahrzehnten von der Hungersnot wurde die kostspieligere Kuh durch ein Schwein ersetzt. Milch, Butter, Eier und Hering verschwanden aus der Ernährung eines Bauern. Marktorientierte Pflanzen wie Gerste und Hafer verschwanden, ersetzt durch noch mehr Kartoffeln. Besucher waren schockiert über die Abgründe irischer Armut. Der Großteil der Bevölkerung lief ohne Schuhe, und viele auf dem Land trugen wortwörtlich Lumpen. In Städten lebten landlose Arbeiter mit dem Pfandhaus, wo sie ihre Sonntagskleider nach dem Kirchenbesuch verpfändeten, sie am Zahltag am Freitag wieder zurückkauften, sie zur Kirche trugen, und den Kreis wiederholten. Doch diese Besucher waren auch beeindruckt von der Zähigkeit der Bauern. Irische Bauern waren stark, und oft gutaussehend. Wissenschaftliche Versuche, sehr beliebt in der viktorianischen Zeit, fanden heraus, dass der durchschnittliche irische Bauer zugleich größer, als auch stärker war als die englischen und belgischen. Der Grund war ihre Ernährung: Nährstoffhaltige, Vitamin-gepackte Kartoffeln, zu drei Mahlzeiten am Tag. Doch im August 1845 schritten irische Bauern auf ihre Felder, und rochen Fäule: Die Fäulnis war in Irland. Doch Landon hatte einen Plan: Diese Krise zu benutzen um Irland neu aufzustellen; ein Plan, den Premierminister Peel zu Fall bringen würde.